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SM VG8: Tödtmann und Klaus surfen zum Sieg

Regen, mal leicht und mal heftig, Graupelschauer und zwischendurch auch mal Sonnenschein – das Wetter trägt den Namen des Monats. War die VG8 vor einem Jahr noch in Dormagen bei brillantem Wetter mit Temperaturen um die 30-Grad-Marke in die Saison gestartet, so lähmte in Hamm das April-Wetter doch spürbar die Euphorie darüber, dass es endlich wieder los geht. Am Ende erwiesen sich die beiden Mugen-Piloten Thilo-Alexander Tödtmann in der VG8-K1 und Andreas Klaus in der VG8-K2 als die besten „Surfer“ und holten sich damit nicht das „Seepferdchen“, sondern vor allem die maximale Punktzahl beim ersten Lauf zur Sportkreis-Meisterschaft West in Hamm.

Insgesamt 33 Nennungen gingen beim amc Hamm ein, elf für die Klasse 1 und 22 für die Klasse 2. Ob der eine oder andere seine Nennung wegen der suboptimalen Wetterprognose oder wegen Bedenken hinsichtlich der superschnellen 300-Meter-Bahn in Hamm nicht abgegeben hat, blieb offen. Jedenfalls fehlte der eine oder andere Name in der Nennliste, speziell in der Klasse 1, wie beispielsweise Hepp, Levy, Wurst oder Schewiola. Die Mannen des amc Hamm, allen voran Thorsten Hecht, Horst Vinnenberg und Daniel Thiele, haben in den vergangenen Monaten einige Veränderungen vorgenommen, vor allem viele Betonsteine entfernt und durch wohlgeformte Curbs – hand-made by Daniel Thiele – ersetzt. Auch die neue Zeitnahme-Software (RCM) und kraftvolle Stromversorgung im Reifenschleifbereich gehören zu den erwähnenswerten Verbesserungen.

Allerdings herrschte im Reifenschleifbereich kaum Betrieb. Trockenreifen waren an diesen beiden Tagen einfach nicht angesagt. Als die ersten Fahrer am Samstagvormittag eintrafen, war die Strecke feucht, trocknete langsam ab. Trotzdem ging der eine oder andere auf die Bahn. Gegen Mittag war der Kurs dann bis auf ein paar feuchte Flecken trocken, was sofort für zunehmenden Verkehr sorgte, auch wenn naturgemäß der Grip sehr gering war. „Ich glaube im Nassen haben wir mehr Grip als momentan auf trockener Strecke“, meinte denn beispielsweise Michael Salven. Doch darüber brauchte man sich kaum Gedanken zu machen, denn noch bevor alle das Training aufgenommen hatten, schickte der Himmel flüssigen Nachschub herab. Also doch Mittagpause, nachdem die Rennleitung gerade noch entschieden hatte, zu Gunsten der trockenen Strecke auf die Pause zu verzichten. Wieder warten, noch ein Kaffee oder auch zwei, noch eine Grillwurst – und vor allem viel reden, reden über Gott und die Welt. Der Versuch, das Formel-1-Qualifying zu schauen, scheiterte bei den meisten am Blech-Dach über dem Fahrerlager, das die TV-bringenden Wellen massiv abschirmte. Wohl dem, der über die richtige Technik verfügt und seine Antenne auf dem Fahrerstand platzierte und per Bluetooth das RTL-Signal zum Notebook streamte. Währenddessen trocknete die Strecke erneut ab, und weil die Fahrer heiß aufs Fahren waren, wurden die ersten Motoren schon gezündet, als noch nicht einmal die Ideallinie trocken war. Der Spaß dauerte aber kaum ein paar Minuten und der Himmel öffnete vollends seine Schleusen, mischte sogar Graupel dazu. Der Kurs verwandelte sich in eine Seen-Landschaft: Feierabend, einpacken, ab nach Hause.

Am Sonntagmorgen war die Strecke nass. Und der eine oder andere hatte dies auch schon frühzeitig per Webcam gesehen und drehte sich lieber im Bett noch einmal um, kam erst gar nicht mehr nach Hamm. So waren es am Ende neun K1-Piloten und immerhin 17 unerschrockene K2-Enthusiasten, die dem April-Wetter trotzten, das an diesem Tag wieder alles zu bieten hatte, aber nie eine trockene Strecke. Im Gegenteil, denn gerade hatten die unermüdlichen amc-Helfer den letzten See mit ihrem Wasser-Sauger aufgelöst, da kam auch schon wieder Nachschub – Petrus war an diesem Tag alles, nur kein RC-Car-Fan.

In der Klasse 1 holte sich Jean-Pierre Rönicke die Pole-Position. Der Mugen/Orcan-Pilot schaffte 13 Runden in 5.11,114 Minuten. Eineinhalb Sekunden dahinter folgte der Deutsche Meister Steven Cuypers mit seinem Mugen/Picco auf Rang zwei, weitere sieben Sekunden zurück nahm Michael Salven mit seinem Serpent/Xceed Position drei ein. Die Klasse-2-Pole ging gleich bei seinem ersten Start im DMC-Sportkreis West an den Belgier Tim Vogels, der mit seinem Mugen/Orcan zwölf Runden in 5.08,128 drehte. Rang zwei mit elf Runden nahm Matthias Günther ein, der bei seinem Comeback nach mehr als 13 Jahren jede Runde mit seinem Mugen/Novarossi genoss, egal ob es halbwegs trocken oder richtig nass war. Drittschnellster – wenn man angesichts der Bedingungen überhaupt von schnell sprechen kann – war ebenfalls mit elf Runden Heiko Kube beim Premiereneinsatz seines Xray/Novarossi.

Die Rennleitung überlegte kurz, dem Regen-Treiben nach den Vorläufen ein Ende zu bereiten, doch da wurde sie von einigen Unentwegten kurzerhand überstimmt. Also ging es mit zwei K2-Halbfinals über je zehn Minuten weiter. Im „B“ waren nur drei am Start, Rückkehrer Matthias Günther teilte das Wasser am besten und siegte vor Thomas Kröger (Mugen/Novarossi) und Joachim Kühn (Motonica/Picco). Fünf nahmen das „A“ in Angriff. Tim Vogels erarbeitete sich nach 17 Runden den ersten Startplatz für das Finale. Zweiter wurde Andreas Klaus (Mugen/Novarossi, 15) vor Sebastian Scheidweiler (Serpent/Xceed, 13). Vierter wurde Thomas Reiche (Serpent/Orcan) vor Martin Figge (Mugen/Novarossi).

Es folgte das K1-Finale, das sechs Piloten in Angriff nahmen, während das Serpent-Trio Michael Salven, Karl-Heinz und René Püpke verzichtete. Keiner der tapferen Fahrer kam ungeschoren über die 20 Minuten. Zuerst erwischte es Uwe Baldes, der nach einer Minute geradeaus gegen die Streckenbegrenzung rollte, recht langsam, und trotzdem kollabierte dabei der Querlenker vorne oben rechts an seinem Mugen/Reds. Damit ging es die restlichen 19 Runden noch erstaunlich gut, mit 35 Runden wurde er Vierter. Nach neun Minuten war für Ingo Odenthal (Serpent/Sirio) das Rennen beendet, nach gut 18 Minuten musste auch Pole-Setter Jean-Pierre Rönicke aufgeben, wurde mit 28 Umläufen Fünfter. Und 15 Sekunden vor Rennende war es auch für Thilo-Alexander Tödtmann (Mugen/RB) vorbei. Neben Baldes kamen nur Steven Cuypers (47 Runden/Platz 2) und Ralf Vahrenkamp (Serpent/Novarossi, 46 Runden/Platz 3) über die Zeit. Der glückliche Sieger aber hieß Thilo-Alexander Tödtmann, als Deutscher VG8-K2-Meister in die Klasse 1 aufgestiegen, der 49 Runden zurückgelegt hatte, obwohl er seinen MRX5 im Rennverlauf beschädigt hatte und einige unfreiwillige Pirouetten hinlegte.

Spannend verlief das abschließende K2-Finale. Vogels konnte den ersten Startplatz nicht nutzen, drehte sich gleich beim ersten Gasgeben. So war es Rückkehrer Günther, der sogleich in Führung ging und auf nassem Geläuf gekonnt seine Runden drehte, als hätte er nie pausiert. An der Spitze blieb er aber nur bis zur neunten Runde, dann stoppte ihn Wassereinbruch in der Elektronik – das Ende und Platz sechs, nachdem Vogels bereits nach drei Runden zum Aufhören gezwungen war. Knapp elf Minuten brauchte das Wasser, um in die Elektronik von Martin Figge vorzudringen, dessen Xray dann zielstrebig in die nicht gefahrene Schikane am Ende der Gerade abbog und von einem der letzten Betonelemente jäh gestoppt wurde. Vier sahen letztlich das Ziel. Nach dem Ausfall von Günther übernahm Andreas Klaus die Führung und gab sie bis zum Ziel nicht mehr ab, vielmehr baute der Mugen-Pilot diese bis auf einen Vorsprung von stolzen acht Runden aus. Den zweiten Platz auf dem Podium eroberte Sebastian Scheidweiler, den dritten Thomas Reiche. Und auch der Viertplatzierte Thomas Kröger, dessen Technik mehrfach streikte, der aber immer wieder auf die Strecke zurückkehrte, war nach 20 Minuten noch am Fahren. Der Jubel von Andreas Klaus, dessen Sohn noch während der letzten Runde auf den Fahrerstand stürmte und seinem Vater um den Hals fiel, war herzerfrischend und kannte keine Grenzen. Dieser Sieg schmeckte so süß und für einen Moment, während der Siegerehrung, strahlte auch die Sonne mit Andreas Klaus um die Wette.

Zur zweiten Runde kehren die VG8-Heizer ins RC-Car-Mekka nach Oberhausen zurück, vielleicht zum letzten Kamp um SM-Punkte, bevor dieser Traditionskurs möglicherweise zum Jahresende geschlossen wird. Eine Woche später, am 12./13. Mai, tritt dann die VG10 gemeinsam mit KWC und HC10 zum zweiten SM-Lauf beim RCM Düren an.

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Stand 03.06.2020: 

2.350,00 €

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