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SM West #1 @ Dormagen: Ein Auftakt nach Maß

Auftakt nach Maß in die Nitro-Racing-Saison 2014: Hochkarätiger Rennsport, strahlende Sieger, exzellente Stimmung im Fahrerlager, ideale Witterungsbedingungen, ausgezeichnete Organisation, leckere Verpflegung … besser hätte die Sportkreis-Meisterschaft West VG8/VG10 nicht in die neue Saison starten können. 60 Nennungen hatte der MCK Dormagen erhalten, 59 Fahrer gingen auf die anspruchsvolle Strecke, letztlich kämpften 57 um erste Meisterschaftspunkte. Am Ende standen John Ermen (VG8 Klasse 1), Philipp Römer (VG8 Klasse 2) und René Püpke (VG10) als verdiente Sieger ganz oben auf dem Treppchen.

Nach dem Nitro-West-Warmup zwei Wochen zuvor ebenfalls in Dormagen wurde der Auftakt mit Spannung erwartet. Das Nennergebnis lag etwas unter dem des Vorjahres. Verantwortlich dafür war die VG10, die nur noch 16 anstatt 30 Teilnehmer wie noch 2013 zählte, während die VG8 in beiden Klassen etwas zulegen konnten. Da sich das Wetter an beiden Tagen für April-Verhältnisse von der guten Seite zeigte und mit Temperaturen um 15 Grad für gute Bedingungen sorgte, wurde schon der Trainingstag intensiv genutzt. Das Fahrerlager war schon am frühen Samstagmorgen proppenvoll. Ab dem späten Vormittag wurde das Training geteilt durchgeführt, jede Trainingsstunde unterteilte sich fortan in je 20 Minuten für die VG8K1, VG8K2 und VG10. Auffallend wie erfreulich war nicht nur die Intensität des Trainings, sondern auch die geringe Anzahl an Crashs sowie das harmonische Miteinander auf der Piste.

Die Starterliste der VG8 Klasse 1 hätte durchaus zu einem EM-Halbfinale gepasst. Fahrer wie Michael Salven, John Ermen, Steven Cuypers, Robin D’hondt, Christian Wurst, Tobias Hepp oder Karl-Heinz Meister  - die Internationalität im Westen (insgesamt waren sechs Nationen vertreten) ist ebenso eindrucksvoll wie die Qualität. Entsprechend hoch war auch der Wettbewerbs-Level in dieser Klasse. Die TQ ging an John Ermen. Der niederländische Xray-Pilot setzte mit 20 Runden in 5.07,601 Minuten die Vorlauf-Bestmarke, die Michael Salven mit seinem Serpent 977 Viper nur um 91 Tausendstelsekunden verfehlte. Zweieinhalb Sekunden dahinter folgte der ehemalige Deutsche Meister Steven Cuypers, weitere dreieinhalb Sekunden dahinter sein belgischer Landsmann Robin D’hondt (Motonica). Auch Tobias Hepp (Xray), Frank Schewiola (Serpent) und Christian Wurst (Serpent) schafften 20 Runden.

Aus dem Halbfinale B über 20 Minuten ging Ermen mit 74 Runden als Sieger hervor, Cupers folgte mit Rundenrückstand auf Rang zwei. Den dritten Platz holte sich Karl-Heinz Meister, obwohl sein Picco-Motor in der Startaufstellung abstarb und der ehemalige 40+-Europameister mit knapp einer Runde Rückstand aus der Boxengasse nachstarten musste. Position um Position erkämpfte sich der Serpent-Pilot in bemerkenswerter Weise zurück. Hinter Ralf Vahrenkamp eroberte sein Serpent Markenkollege Christian Wurst in der letzten Runde noch den rettenden fünften Rang und damit die Finalteilnahme. Durch einen längeren Boxenstopp weit zurückgefallen, gab der Sportkreis-Meister alles, ließ seine Viper in atemberaubender Manier fliegen und war schließlich dran am bis dahin fünftplatzierten Capricorn von Alexey Yaramishian. Und ehe sich der Belgier versah, schoss der weiße 977 innen vorbei. Der Konter von Yaramishian endete fatal, denn er erwischte einen Curb, so dass sein Capricorn auf der Geraden in der Streckenbegrenzungen strandete. Zu den traurigen Halbfinalisten zählte auch Tobias Hepp (Xray). Seine beherzte Fahrt Richtung Finale endete abrupt mit einem Motorschaden nach 13 Minuten.

Im Halbfinale A brillierte Michael Salven und spielte seine ganze Dormagen-Erfahrung aus. „Mr. Serpent“ gewann nicht nur mit zwei Runden Vorsprung, sondern sicherte sich mit 75 Runden auch die Pole-Position für das Finale. Frank Schewiola, erstmals wieder mit Serpent am Start, wurde mit zwei Runden Rückstand sicherer Zweiter vor seinem Luxemburger Teamkollegen Dirk Rischard. John Lenaers, als Klasse-2-Sportkreis-Meister freiwillig in die Klasse 1 aufgestiegen, pilotierte seinen Mugen auf Rang vier vor Thomas Kröger (Serpent). In diesem Halbfinale wurde Robin D´hondt Opfer des unbarmherzigen MCK-Kurses. In Führung liegend reichte ein kleiner Fahrfehler, und der zweimalige WM-Finalist war mit seinem Motonica-Picco aus dem Rennen.

Anstatt aus der Pole-Position musste Michael Salven das Finalrennen jedoch aus der Boxengasse aufnehmen. In der Vorbereitungszeit warf er seinen S977 unnötigerweise weg und musste erst eine Reparatur einlegen, um mit einer Runde Rückstand nachstarten zu können. Erneut aus der Boxengasse musste auch Karl-Heinz Meister starten, denn sein Picco-Triebwerk starb wie schon im Halbfinale in der Startaufstellung ab, noch ehe das Fahrzeug abgesetzt wurde. Somit hetzten die beiden Serpent-Picco von Meister und Salven dem Feld hinterher, während Ermen mit seinem Xray-Reds und Cuypers mi seinem Mugen-Picco an der Spitze die Pace machten. Schon nach einer Runde war das Rennen für Schewiola beendet, der im tückischen Linksbogen vor der Boxengasse innen an Cuypers vorbeizog. Beide Fahrzeuge berührten sich leicht, beide flogen ab. Während der Schewiola-Serpent in die Beton-Barriere am Boxenausgang rodelte und mit beschädigter Radaufhängung aus dem Rennen war, hatte Cuypers Glück und konnte das Rennen sofort fortsetzen.

Ermen konnte Cuypers nie ganz abschütteln, trotzdem konnte er sich bei Halbzeit einen Wechsel aller vier Räder erlauben, um bald schon wieder in Führung zu gehen. Während Meister kurz nach der Halbzeit des 30-Minuten-Finales seinen Serpent nach einem Mauerkuss mit beschädigtem Servo-Saver abstellen musste, setzte Salven seinen Weg durchs Feld fort, auch wenn er in den Rundenzeiten etwas unter seinen Möglichkeiten blieb. Mit seiner Konstanz gelang ihm aber letztlich der Anschluss an das Führungsduo, und es entbrannte ein vehementer Kampf um Platz zwei. Dann war er dran am Mugen-Heck von Cuypers, startete auch sogleich eine Attacke, die jedoch mit einer Berührung endete, weil der Belgier seine Linie hart aber keineswegs unfair verteidigte. Salven´s Karosse war vorn links eingedrückt, was er bei einem kurzen Halt neben der Bahn durch seine Boxencrew mit Jochen Ziegenhain und Nicole Börs beheben ließ. Die Entscheidung war damit jedoch gefallen. Ermen erzielte nach Hamm 2013 seinen zweiten Sieg für Xray in der Sportkreis-Meisterschaft West, Cuypers wurde mit 4,400 Sekunden Rückstand Zweiter, Salven mit 3,642 Sekunden Rückstand Dritter. Dass alle drei am Ende in einer Runde, der 110., lagen, unterstreicht die Spannung und Ausgeglichenheit. Mit einer Runde Rückstand kam Christian Wurst als Vierter ins Ziel, Ralf Vahrenkamp hatte als Fünfter bereits sechs Runden Rückstand. Dahinter folgten Lenaers, Rischard, Kröger sowie Meister und Schewiola. 

Bemerkenswert: Serpent hatte mit sieben 977 bei den Chassis ein klares Übergewicht gegenüber zwei Mugen und einem Xray.

Die VG8 Klasse 2 war mit 23 Startern aus vier Nationen die bestbesetzte Klasse in Dormagen. Nach den Vorläufen gab es eine Doppelführung für Xray. Mit 19 Runden in 5.09,315 Minuten hatte der junge Philipp Römer mit seinem Xray-Orcan knapp die Nase vorn vor Markenkollege Tim Vogels, dem Klasse-2-Vizemeister, der auf den RX8 umgestiegen ist. Mit 5.09,994 war der Belgier nur unwesentlich langsamer. Über fünf Sekunden dahinter landete Hans-Peter Holl als bester Serpent-Pilot auf Rang drei, gefolgt vom Niederländer Benny Ciere (Mugen) und Waldemar Liedke (Mugen).

Aus dem Viertelfinale über 15 Minuten   ging Thomas Kremer (Serpent) als überlegener Sieger hervor. Zudem schafften auch Matthias Günther, erstmals mit Shepherd unterwegs, die Mugen-Piloten Ralf Wacker und Heinz Kroezemann sowie Andreas Reiche (Serpent) den Aufstieg ins Halbfinale, während der anfangs führende Joachim Kühn (Xray) nach nur elf Runden unglücklich ausschied. Im Halbfinale B setzten sich zwei Belgier an die Spitze. Tim Vogels siegte mit einer Runde Vorsprung vor Nico Vandewynckel (Serpent), dahinter folgten Reinhard Zick (Mugen), Shepherd-Neuling Martin Figge und Heinz Faigle (Xray). Aus dem Halbfinale B waren es Philipp Römer, Hans-Peter Holl, Andreas Göbel (Serpent), Thomas Kremer und Michael Woeste (Capricorn), die sich ihren Startplatz im Finale erkämpften.

Der 17-jährige Philipp Römer dominierte mit seinem Xray RX8 das Finale. Über die 30-Minuten-Distanz erarbeitete er sich einen drei Runden Vorsprung auf Hans-Peter Holl, der am Ende mit 102 Runden Zweiter wurde, eine Runde vor Reinhard Zick. Den starken vierten Platz erkämpfte Heinz Faigle, der nicht der Schnellste war, aber im Gegensatz zu anderen seinen RX8 sicher über die Zeit brachte. Der Rest hatte mehr oder weniger große Problem: Für Heiko Kube (Mugen) endete das Finale dreieinhalb Minuten vor der Zielflagge, Tim Vogels (Xray) musste zwischenzeitlich eine fünfminütige Reparaturpause einlegen, Nico Vandewynckel (Serpent) war nach 26 Minuten raus, nachdem er zuvor schon mal zwei Minuten repariert hatte, Martin Figge )Shepherd) unterbrach sogar für eine siebenminütige Reparatur sein Finalrennen, und Andreas Goebel (Serpent) schied nach 15 Minuten und Thomas Kremer (Serpent) schon nach siebeinhalb Minuten aus.

Im Finale waren vier Serpent, drei Xray, zwei Mugen und ein Shepherd vertreten.

In der VG10 belegten vier Shepherd-Neulinge nach den Vorläufen die ersten vier Plätze: René Püpke war mit seinem Velox V10 „Pro“ überlegen in Front, dahinter dann Benjamin Lehmann, Bernd Rausch und Arndt Bernhardt. Titelverteidiger Daniel Toennessen führte mit seinem Mugen MTX5 auf Rang fünf den Rest an. Der Vorjahresdritte Benny Lehmann setzte sich im Halbfinale B durch, siegte vor Arndt Bernhardt, Dieter Fleischer (MUgen), Marco Nenner (KM) und Fähd Labik (Xray). Zu den Opfern gehörte Melvin Diekmann, der in diesem Jahr ebenfalls Shepherd fährt. Im Halbfinale A gab es mit Daniel Thiele, Jörg Baldes und Andreas Weyhoven gleich drei prominente Ausfälle, alle drei mit Serpent. René Püpke gewann dieses Halbfinale sicher vor Bernd Rausch, dahinter kamen Daniel Toennessen, Julien Cevani (Serpent) und Dennis Krings (Xray) ins Ziel und damit auch in den Endlauf.

Nur in der Anfangsphase des 30-Minuten-Finales konnte „Sunnyboy“ Bernd Rausch dem Tempo von René Püpke folgen, der sich über die Distanz immer weiter absetzen konnte und letzte mit zwei Runden Vorsprung vor Benny Lehmann sicher gewann. Damit erzielte Shepherd einen Doppelerfolg. Daniel Toennessen schaffte es als Mugen-Speerspitze auf den dritten Podestrang, hatte aber bereits vier Runden Rückstand auf Püpke. Zwei Runden zurück holte sich Dieter Fleischer Rang vier vor Arndt Bernhardt, Julien Cevani, Fähd Labik. Bernd Rausch und Dennis Krings schieden vorzeitig aus, während Marco Nenner erst gar nicht antreten konnte, nachdem sein KM schwer beschädigt wurde, als ihm beim Herausfahren aus der Boxengasse zur Vorbereitungszeit der Serpent von Cevani ins Heck krachte.

Vier Shepherd waren im Finale vertreten, desweiteren zwei Mugen, zwei Xray, ein Serpent und ein KM.

Nur das Oster-Wochenende bleibt den Nitro-Racern zum Relaxen und zur Vorbereitung der Mini-Boliden, denn schon am 26./27. April geht die Sportkreis-Meisterschaft West VG8/VG10 in die zweite Runde, dann beim MCC Rhein-Ahr im Motodrom Rhein-Ahr in Bad Breisig.

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